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klrxT.

Koblenz 2006, Studentenwohnheim

Für S.

Dienstag. Mein Geburtstag.
Ein planloser Abend mit den Mädels in der City. 
Die Stadt, die heute nichts zu bieten hat –
what a pity.

Wir kommen zurück,
ich kick die Tür zum Wohnheim auf. 
Es ist der 12. September.
Ich seh dich dort stehn im Treppenhaus, 
gleich am Kellergeländer.  
Am Ohr hältst du ein „Telefon“
du schaust mich direkt an.

Ich denke kurz: Geburtstagssieg –
und ich frag mich dann:
Wer ist der Typ?  
Und im selben Augenblick –
das Gefühl wird intensiver. 
Und wie in einem Trancezustand
steh ich dir gegenüber.

Der Partyclubraum –
nicht so voll. 
Wir stehen nah zusammen,
trinken Bier und reden viel. 
Du erzählst, wofür du brennst,
dass du singst in einer Band. 
Heimlich seh ich dein Profil,
hör dir zu – die Zeit steht still. 
Zeit scheint unbegrenzt.

Ich berühre deinen Oberarm –
leicht und aus Versehen. 
Es fühlt sich fest und magisch an.
Der Moment darf nicht vergehen.

Wir möchten uns schnell wiedersehen –
das geschieht zurecht. 
Denn schon nach unserem ersten Date
bin ich von dir geflasht. 

Du verwirrst mich,
machst mich an –
ich werd vergesslich.
Und irgendwann
bin ich am Ereignishorizont angelangt. 
 
Der Sog wird schlimmer.
Ich will dich mehr, will dich für immer –
doch das wird schwer. 

Mein Gefühl sagt: Das wird zu viel.
Du wirst schon sehn,
er wird bald gehn.
Das kannst du nicht vermeiden.

Baby. Und deswegen –
kann ich die zweite Nacht
auch nicht bei dir bleiben.

Der Raum in deiner Altstadtwohnung –
angefüllt mit Sex, 
ist Körperwärme,
unser Duft.
Ich will nicht von dir weg.

Noch ist es nicht Mitternacht.
Ich werde liegenbleiben. 
Ich möchte wieder gerne mir –
die Zeit mit dir vertreiben.

Ich rieche und ich schmecke dich. 
Ich liebe unsern Rhythmus 
und würd’ es gerne wieder tun – 
weiter unten
und bis zur höchsten Welle
und bis zum Orgasmus.

Dann erzählst du von Romania.
Von anderen, schönen Orten. 
Ist das ein Witz? Ein schlechter Scherz?
Ich kann es nicht einordnen. 
Du meinst das ernst.
Ergibt ja Sinn.
Du hast ja dort Verbindung. 
„Kommst du mit?“
fragst du jetzt prompt –
es scheint mir als Beruhigung.

Denn als du diese Worte sagst,
schaust du an mir vorbei. 
Im Rauch von deiner Kippe bildet sich ein Herz. 
Es wabert sanft,
fliegt auf mich zu –
dann bläst du es entzwei.

Wir treffen uns zum vierten Mal
in der Druckluftkammer. 
Die Atmosphäre auf dem Konzert –
der absolute Hammer. 

Ich absorbiere die Frequenz
deiner starken Stimme, 
schließe sie tief in mein Herz –
und seh:
Du gewinnst
immer
auf der Bühne.

Dann lächelst du mir ganz kurz zu.
Ich schau dich lange an. 
Und wünschte mir,
es wär’ nicht so –
aber du bist mein Mann.
 
Ich zeig’s nicht offensichtlich.
Ich hab’s dir nie gesagt. 
Verschlossen sein beschützt mich –
für den Fall,
der sich dann
tatsächlich so begab:

Ich weiß noch –
ich war sehr betrunken.
Weit nach Mitternacht. 
In der kalten Bahnhofshalle
haben wir viel Scheiß gemacht. 
Wir sind danach zu mir gegangen –
in mein Wohnheimzimmer. 
Ich weiß nicht mehr genau, was war –
keinen blassen Schimmer.

Ich hab’s dir mit dem Mund gemacht –
das war am nächsten Morgen. 
Im Bett da war sehr wenig Platz,
mein Körper lag verbogen. 
Ich musste meine Stellung ändern,
stoppte nur ganz kurz. 
Das war nicht gut.
Der Schwall zu schnell –
Höhepunkt mit Absturz.

Ich glaub, ich hab mich noch entschuldigt –
weiß nicht mehr genau. 
Die Stimmung war danach zerstört.
Die Welt liegt grau in grau.

Vom Wohnheimküchenfenster aus
hab ich dir nachgeschaut. 
Ich wollte dir noch etwas sagen –
mich aber nicht getraut.

An diesem kalten Morgen –
ich glaub, es war November – 
erinnere ich mich nochmal
an den Abend
im September.

Eine Woche später
hab’ ich dich angeschrieben. 
Die Antwort –
wie von nem Verräter.
Monoton und ohne Grund,
einfach grad heraus: 

Du wolltest mich nicht wiedersehen.
Es wäre einfach aus.

Es scheint, als wollte hinter
mir die Brücke runterbrechen. 
Schwerkraftfalle.
Alles schwarz.
Das Loch lässt sich nicht berechnen.
Ich muss mich jetzt beherrschen.
Will nicht ganz durchdrehn. 
Überlege fieberhaft:
Was hab ich übersehn?

Am besten
böse Worte wählen –
das ist jetzt mein Plan. 
Ich tippe.
Lösche sie sofort.
Denn es geht mich nichts mehr an.

Ich schreibe dir die Antwort,
als wärs mir egal. 
Die Wirklichkeit sieht anders aus. 
Die Zeit steht still.
Die nahe Zukunft wird zur Qual.

∿∿∿

Der Typ, den ich gedatet hab –
schon ein paar Wochen später – 
erinnerte mich stark an dich.
Mit ihm wurd es konkreter.

Ich denk, ich hab ihn nur genommen,
um dich zu vergessen – 
aber schätzungsweise
wollt sich mein Leben
an mir rächen …

Der Typ den ich gedatet hab –
war nur ’ne Illusion. 
Keine Liebe. Leidenschaft.
Gefährliche Emotion.
 
Dieser Typ
wird schließlich 
dann mein Ehemann.

Ich wollte gar nicht heiraten –
habs trotzdem getan.

Widerwillig,
unter Drogen,
hab ich dann JA gesagt 
und mich in derselben Nacht
mit Tränen rumgeplagt.

Zu dieser kurzen Ehe
in einer langen Zeit
fallen mir Begriffe ein: 
Feigheit.
Falschheit. 
Mitleid wegen Blindheit. 
Aber vor allem: 
mein Beileid –
wegen selbstzerstörter Freiheit.

Meine besten Freunde
haben mir das so erzählt. 
Aber erst viel später.
Früher hätts gezählt. 
Aber die, die es früher taten –
auf die wollt ich nicht hören. 
Mir lag daran,
mein Leben
im Stillen zu zerstören.

Hin und wieder denk ich
an unsere schnelle Zeit, 
die – so kommt es mir jetzt vor
in Ewigkeit verweilt. 
Ich suche dich auf Fotos,
auf Facebook oder so. 
Dann find ich dich –
und sehe:
Du lebst dein Leben froh.

Du stehst auch dort auf Bühnen
und schreist ins Mikrofon. 
Und ich hab mittlerweile
einen Grundschulsohn.


Ich weiß nicht,
ob du auch noch
manchmal an mich denkst. 
Und trau mich nicht zu liken
und schon gar nicht zu schreiben, 
aus Angst,
dass du mir
keine Beachtung schenkst.

Doch als Single-Mama,
die ich ja nun mal bin, 
hat das Leben mehr als Rock ’n’ Roll
oder Clubraum-Party-Sinn. 
Mein Leben ist ne Challenge und
die dauert noch an.

Manchmal hab ich zwischendurch auch nen netten Mann. 
Aber nie was Ernstes.
Ich will das einfach nicht. 
Große, starke Feelings –
die sind nichts mehr für mich.

(2006-2020)

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