Mann, Marianne
Wenn du nicht mehr willst,
dann rede mit ihr –
in paritätischer Manier,
auf Augenhöhe sozusagen –
und lass sie nicht allein
in ihrem ganzen Unbehagen.
Wartend, bis genügend Zeit vergeht –
sie sich währenddessen selbst verschmäht,
in Selbstzweifel versinkt,
in Fragen ertrinkt:
Wie kann eure Beziehung leben
und nicht nur vorüberziehen?
Am Existenzminimum kleben –
dein Bedarf nach Belieben,
doch sie muss sich in Zurückhaltung üben.
Wie kann denn diese Beziehung funktionieren,
fragt sie.
Und sie muss dich ja als Mensch akzeptieren,
so wie du bist, sagt sie.
Auf dieser Basis will sie dir Freiraum schenken,
ohne dich einzuschränken –
ein Leben mit dir gemeinsam gestalten –
als perfekte Strategie getarnt,
dich weiter
so wie du bist
auszuhalten.
Du wirfst ihr vor,
sie höre dir nicht zu –
und vieles müsste sie einfach besser machen.
Sie denkt:
Egal, was ich tu –
ich will doch alles geben,
aber das sind zu viele Sachen.
„Ich bin doch auch nur so, wie ich bin“,
sagt sie manchmal nüchtern,
während du versuchst,
sie immer wieder einzuschüchtern.
Du kritisierst wie ein stahlharter Stiefvater,
bist aufbrausend,
vergleichst sie,
als wär sie unfertig, minderwertig –
wie lapidare Fehlerware …
Mittlerweile fühlt sie sich beschränkt,
ist unsicher in ihren Talenten geworden –
die scheinen bisweilen abgestorben,
doch sie merkt es nicht.
Stattdessen macht sie sich Sorgen.
Denn: All deine Vorstellungen befolgen ist ein Muss.
Du lässt sie warten
auf eine Umarmung von dir,
auf einen Kuss,
auf ein warmes Zeichen.
Und weil sie dir nie gerecht werden kann,
wird’s für deine volle Zuneigung
sowieso nicht ausreichen.
Mann, Marianne –
ich frage dich:
Was ist dein Bestreben,
wenn du ihren Kern nicht mal siehst –
und sie permanent noch verändern willst?
Du musst sie nicht verändern.
Sie ist schon perfekt.
Du hast sie einfach stehengelassen
in Salvador,
an einem x-beliebigen Fleck.
Sie fühlte sich wie Dreck
im selben Augenblick –
und mit fraglichem Gespür
gibt sie sich die Schuld dafür.
Dann sagst du ihr urplötzlich:
Ihr seid nicht mehr zusammen.
Das ist mehr als nur verletzlich –
aber du setzt noch einen drauf,
denn angeblich
sei es schon seit mehreren Wochen aus.
Dafür gäbe es Gründe,
die ein „normaler“ Mensch verstünde,
sagst du.
Aber sie …
versteht es deiner Meinung nach
offensichtlich nie.
Diese Aussage allein ist schon entsetzlich.
Und Maggie hetzt sich – innerlich.
Aber du reduzierst sie noch mehr,
zeigst mit dem Finger auf sie,
als ob sie selbst
die getragene Unterhose wär.
Mann, Marianne, wie selbstgerecht!
Meine Freundin fühlt sich schlechter als schlecht.
Sie fühlt sich schmutzig,
x-beliebig,
wie eine fremde Frau –
und denkt:
Das ist doch nicht der Mann,
dem ich sonst so vertrau.
Das schlichte Bedürfnis in jeder Beziehung
ist Verbindlichkeit.
Ist Sicherheit.
Das ist Befriedigung –
und das ist normal.
Aber du, so scheint es,
siehst das als Qual,
als Last,
die du dir aufgetragen hast.
Fast müsstest du es besser wissen –
und mal innehalten,
statt als Ultra-Normalo
recht verbissen
an Prämissen festzuhalten.
Aber da gibt’s wahrscheinlich viele Sachen,
die du nicht besser machen kannst –
stattdessen aber Perfektion
von anderen verlangst.
Und die Selbstgerechtigkeit
erfährt hier noch eine Steigerung:
Das Fass ist übervoll –
und dein Verhalten:
der letzte Overkill.
Später kommt nämlich heraus,
dass du – ohne Unterlass –
parallel noch andere Frauen hast.
An sich ja kein Verbrechen –
alle Menschen haben Schwächen
oder Vorlieben.
Aber eine Beziehung auf diese Art zu brechen,
ohne ein Wort,
ohne persönliche Aussprache –
das ist fast wie Mord,
bloß ohne Blutlache.
Das scheint dir wohl egal zu sein –
du radikales Schwein.
Und falls du es vergessen hast,
hier nochmal kurz zusammengefasst:
Dein Verhalten ist erbärmlich.
Ich will nicht sagen,
du bist miserabel –
aber definitiv unehrlich.
Und das macht dich
in der reinsten Form:
entbehrlich.
Denn Maggie ist wichtig –
und richtig, wie sie ist.
Sie muss nicht ständig
in dicken Hosen posen,
sich nicht permanent beweisen –
denn die, die was draufhaben,
sind meistens die Leisen.
Menschen wie Maggie,
die sich selbst nicht so wichtig nehmen,
müssen nicht immer ihr Können erwähnen.
Und Marianne – in einem,
da gebe ich dir recht:
Maggie ist wirklich nicht normal.
Sie ist genial.
Und zu 100 %
echt.